Bericht im Wiesbadener Kurier und Tagblatt

Heiko Lendle aus Igstadt wirbt für Igstadt und seinen geliebten Ebbelwoi




Warten auf den Ebbelwoi-Express? Alexander Wagner (links) und Heiko Lendle mit Bembel-Mafia-Shirts und Ebbelwoi-Survival-Pack am künftigen Kaufhaus Lendle.

Foto: Elke Baade

IGSTADT -

Die beiden spielen sich die Bälle nur so zu, man merkt, dass sie ein eingespieltes Team sind – der Igstadter Heiko Lendle und der Delkenheimer Alexander Wagner, der seine Heimatverbundenheit stolz mit dem Tattoo „Delgemer Bub“ auf dem muskulösen Oberarm präsentiert. Ob Lendle irgendwo am Körper seine Liebe zu Igstadt zeigt, entzieht sich der Kenntnis der Autorin. Dafür erzählen die beiden freimütig von ihrer Vorliebe fürs Stöffche und für die heimische Mundart. Und die tragen sie auch gern in der Öffentlichkeit spazieren. „Hals enoi“ und „Bembel Mafia“ steht auf den Shirts, die Heiko Lendle kreiert hat und auch selbst produziert.

Schließlich machte er schon vor Jahren unter dem Namen „Fashion Lendle“ von sich reden. Das war in der Zeit, als der gelernte Maschinenschlosser sein Maschinenbaustudium „erfolgreich abgebrochen“ hat, wie er schmunzelnd beichtet. Später machte er sich mit seiner Agentur für visuelle Kommunikation HLT selbstständig und bietet dort unter anderem textile Werbeträger an. T-Shirts mit Ortsnamen gehören schon lange dazu, und wer im Ländchen was auf sich hält, trägt „Ised“ oder „Delgem“ auf der Brust. Oder einfach „Guuude“ – mit drei „u“. Auf die „Muddersprooch“ legen beide

größten Wert. „Die Leute sind stolz, Platt zu sprechen“, hat Lendle beobachtet, „da kann man sich viel besser ausdrücken“. Und so hüpfen sie im VorOrt-Gespräch fröhlich zwischen Hochdeutsch und Platt hin und her.

Direkt neben Lendles Büro ist die Kelterstubb. Dort trifft sich einmal im Monat der „Kelterverein“, den Lendle 2012 mit Bernd Bücher gegründet hat – ein loser Zusammenschluss alter Freunde, die auf diese Weise wieder zusammengekommen sind, frei von Vereinspflichten. Und die beim gemeinsamen Äpfelernten und Keltern genau so viel Spaß haben wie beim Picheln. 800 Liter Ebbelwoi lagern im Keller, „die wegzutrinken, ist eine Verpflichtung“, sagt Lendle lachend. Der eigene Ebbelwoi – „das ist wie eine Schwangerschaft, da wartest und guckst du, was draus wird, und wenn’s ,en Guude’ wird, bist du stolz“, verrät der 48-Jährige. „En Guude“ muss auch sein, wer in das Clübchen aufgenommen werden will, und einen Fürsprecher braucht’s auch – Lust aufs Stöffche allein ist zu wenig, wichtig ist die gute Kameradschaft. So sind denn die Ebbelwoi-Abende in dem kleinen, rustikalen Raum immer eine Riesengaudi – „da wird gelacht, bis die Backen wehtun“, erzählt Bembel-Sammler Lendle.

Auch als Diät

Bewacht von einem Wildschweinkopf dreht sich fast alles ums Stöffche: Sauergespritzter gilt als „lebensverlängernde Maßnahme“, meint Alex (35) grinsend. Und durch eine „Apfelwein-Spezial-Diät“ habe ein Freund innerhalb weniger Wochen 15 Kilo abgenommen: „Statt Abendessen hat der einen Liter Ebbelwoi genossen.“ Für Alex ist Apfelwein „einfach ein geiles Getränk, dazu hessisch traditionell“, sagt der einstige Sänger der Delkenheimer Band „Pladd“, der gerade in den Startlöchern einer neuen Pop-Rock-Gruppe steht. Heiko Lendle schwört aufs Stöffche, „weil es Generationen verbindet und weil es cool ist, Ebbelwoi selbst zu machen“. Seit fünf Jahren hat er da einen Aufschwung bemerkt, und damit kamen ihm auch neue Ideen für die Fans des hessischen Nationalgetränks.

Sein Logo zeigt Bembel, Geripptes und den Schriftzug „Bembel-Mafia“ – den hat ihm Alex „vermacht“, der ihn mit Freunden für einen Apfelweinausschank am Delkenheimer Rathausplatz erfunden hatte. Miese Mafia und bodenständiger Bembel – eine Kombination, die viele, vor allem Fremde, neugierig macht, wenn sie das Logo – bembelgerecht blau auf hellgrau – T-Shirts und Kapuzenshirts made in Igstadt erblicken. Darauf stehen auch Sprüche wie „One Ebbler a day keeps the Doschd away“, „Bis Aaner flennt“, „Handkäs mit Mussigg“ oder schlicht „Hals enoi“ in Anlehnung an den „Badesalz“-Hit „Äppelwoi in de Hals enoi“.

Mittlerweile ist auch die Apfelweinfamilie Possmann auf die kreativen Ideen aus Igstadt aufmerksam geworden. Und durchaus an einer Kooperation interessiert, wenn Lendle im April das „Kaufhaus Lendle“ in seinem Haus an der Bushaltestelle St.-Gallus-Straße eröffnen will. Winzigst wird es sein, und lustig gestylt, mit alten, bunt gestrichenen Holzbrettern – inspiriert von witzigen Läden in Amsterdam. Angeboten werden vor allem die T-Shirts und andere Produkte rund um den Ebbelwoi wie den „Survival Pack“, aber auch pfiffige Geschenkartikel, die Lendle auf Messen entdeckt.

Eben „alles, was mer aach kaafe dede“ – so steht’s schon auf der Website. Die Veranstaltungsseite mit dem doppeldeutigen Namen „dieeaster“, 2001 vom „Isder“ Lendle für die östlichen Vororte ins Leben gerufen, lebt übrigens munter weiter. Menschen real zusammenzubringen, gerade in Zeiten des Internet, das liegt Lendle am Herzen. Geprägt hat ihn da sicher seine Zeit in der Jugendinitiative Igstadt. Er ist überzeugt: „Was ich heute bin, wäre ich ohne sie niemals geworden.“

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